Welche Blumen für Katze und Hund gefährlich sind
Ein Strauß auf dem Esstisch ist für viele Katzen eine Einladung. Hier sehen Sie, welche Schnitt- und Topfblumen im Laufe eines Jahres in österreichischen Wohnungen auftauchen, wie riskant sie für Katze und Hund sind und was Sie tun, wenn doch einmal etwas angeknabbert wurde.
Welche Blumen gerade in der Wohnung stehen, hängt stark von der Jahreszeit ab. Im Frühling sind es Tulpen und Narzissen, zum Muttertag Maiglöckchen, im Sommer Lilien im Strauß und der Oleander am Balkon, zu Allerheiligen Chrysanthemen und im Advent Christrose, Amaryllis und Weihnachtsstern. Wer weiß, wann welche Pflanze ins Haus kommt, kann gezielt vorsorgen, statt im Ernstfall zu suchen.
Das Jahr im Überblick
- Jänner bis AprilTulpen, Narzissen und Hyazinthen. Am giftigsten sind jeweils die Zwiebeln, Vorsicht also auch bei Zwiebeln im Topf und beim Umtopfen.
- MaiMaiglöckchen, oft in kleinen Sträußen zum Muttertag. Für Katze und Hund giftig, sie wirken auf das Herz.
- SommerLilien im Strauß, für Katzen die gefährlichste Schnittblume überhaupt. Dazu Oleander in Kübeln auf Balkon und Terrasse.
- HerbstChrysanthemen rund um Allerheiligen und Herbstzeitlosen auf feuchten Wiesen, die Hunde beim Spaziergang erwischen können.
- Advent und WeihnachtenChristrose und Amaryllis sind giftig, der Weihnachtsstern reizt vor allem Maul und Magen.
- Gelten als ungiftigRosen, Gerbera, Sonnenblumen, Inkalilien, Löwenmäulchen und Schmetterlingsorchideen.
⚠ Lilien und Katzen: keine Kompromisse
Echte Lilien (Lilium) und Taglilien (Hemerocallis) sind für Katzen durch und durch giftig: Blüte, Blätter, Stängel, Blütenstaub und das Wasser in der Vase. Es genügt, wenn sich eine Katze nach dem Vorbeistreifen den Pollen aus dem Fell leckt. Die Folge kann ein akutes Nierenversagen sein. Haben Sie eine Katze, gehören Lilien nicht in die Wohnung, auch nicht auf den höchsten Kasten.
Für Hunde sind Lilien deutlich harmloser, sie bekommen davon laut FDA meist nur einen verdorbenen Magen. Vorsicht bei Namen: Inkalilie, Calla und Friedenslilie heißen zwar „Lilie“, gehören aber nicht zu den echten Lilien und schädigen die Nieren nicht. Calla und Friedenslilie reizen allerdings Maul und Rachen.
Blumen und Pflanzen im Vergleich
Vierzehn Pflanzen, die in Österreich häufig in Sträußen, auf dem Fensterbrett oder im Garten vorkommen. Die Stufen sind unsere Zusammenfassung der dokumentierten Beschwerden. Wie schwer eine Vergiftung tatsächlich ausfällt, hängt von der Menge, dem Pflanzenteil und der Größe des Tieres ab.
| Pflanze | Katze | Hund | Mögliche Beschwerden | Gut zu wissen |
|---|---|---|---|---|
| Lilie, TaglilieLilium / Hemerocallis | ⛔ Extrem | ✓ Niedrig | Erbrechen, Appetitlosigkeit, Teilnahmslosigkeit, akutes Nierenversagen (Katze) | Alle Pflanzenteile, auch Pollen und Vasenwasser. Hunde: meist nur Magenbeschwerden. |
| MaiglöckchenConvallaria majalis | ⛔ Hoch | ⛔ Hoch | Erbrechen, unregelmäßiger Herzschlag, niedriger Blutdruck, Desorientierung, Krampfanfälle | Enthält herzwirksame Glykoside. Klein und unscheinbar, oft in Muttertags- und Brautsträußen. |
| HerbstzeitloseColchicum autumnale | ⛔ Hoch | ⛔ Hoch | Blutiges Erbrechen, Durchfall, Schock, Schäden an mehreren Organen | Keine Schnittblume, aber im Herbst auf feuchten Wiesen. Enthält Colchicin. |
| OleanderNerium oleander | ⛔ Hoch | ⛔ Hoch | Speicheln, Bauchschmerzen, Durchfall, Mattigkeit, im schlimmsten Fall Tod | Beliebte Kübelpflanze auf Balkon und Terrasse. Enthält herzwirksame Glykoside. |
| Narzisse, OsterglockeNarcissus | ⛔ Hoch | ⛔ Hoch | Erbrechen, Speicheln, Durchfall; bei großen Mengen Krämpfe, Zittern, Herzrhythmusstörungen | Enthält Lycorin. Die Zwiebel ist der giftigste Teil. |
| Amaryllis, RittersternHippeastrum | ⛔ Hoch | ⛔ Hoch | Erbrechen, Speicheln, Durchfall, Bauchschmerzen, Appetitlosigkeit, Zittern | Klassiker im Advent, oft als Zwiebel im Topf. Enthält Lycorin. |
| ChristroseHelleborus niger | ⚠ Mittel | ⚠ Mittel | Speicheln, Bauchschmerzen, Durchfall, Koliken, Mattigkeit | Typisch für Advent und Weihnachten. Enthält herzwirksame Glykoside, Saponine und Protoanemonin. |
| Tulpe | ⚠ Mittel | ⚠ Mittel | Erbrechen, Speicheln, Durchfall, Mattigkeit | Der Wirkstoff Tulipalin sitzt vor allem in der Zwiebel. |
| Hyazinthe | ⚠ Mittel | ⚠ Mittel | Heftiges Erbrechen, Durchfall (teils blutig), Mattigkeit, Zittern | Zwiebeln am giftigsten. Oft als vorgetriebene Zwiebel im Glas. |
| Chrysantheme | ⚠ Mittel | ⚠ Mittel | Erbrechen, Durchfall, Speicheln, Koordinationsstörungen, Hautreizung | Rund um Allerheiligen in vielen Haushalten. Enthält Pyrethrine. |
| Hortensie | ⚠ Mittel | ⚠ Mittel | Erbrechen, Durchfall, Mattigkeit | Enthält cyanogene Glykoside, vor allem in Blättern und Knospen. |
| Calla, FriedenslilieZantedeschia / Spathiphyllum | ⚠ Mittel | ⚠ Mittel | Brennen in Maul und Rachen, starkes Speicheln, Erbrechen, Schluckbeschwerden | Calciumoxalat-Kristalle. Keine echten Lilien, kein Nierenschaden. |
| Iris | ⚠ Mittel | ⚠ Mittel | Erbrechen, Speicheln, Mattigkeit, Durchfall | Der Wurzelstock ist am giftigsten. |
| WeihnachtssternEuphorbia pulcherrima | ✓ Niedrig | ✓ Niedrig | Reizung von Maul und Magen, gelegentlich Erbrechen | Der Milchsaft reizt. Weniger giftig als sein Ruf. |
Blumen schenken, wenn beim Empfänger eine Katze wohnt?
Wählen Sie einen Strauß ohne Lilien und ohne Eukalyptus, etwa mit Rosen, Gerbera oder Sonnenblumen. Zustellung in ganz Österreich, oft noch am selben Tag.
Blumen, die als ungiftig gelten
Die folgenden Blumen führt die ASPCA als ungiftig für Katze und Hund. „Ungiftig“ heißt allerdings nicht, dass Fressen folgenlos bleibt: Pflanzenmaterial in größerer Menge kann bei jedem Tier Erbrechen oder Durchfall auslösen. Achten Sie außerdem auf das Beiwerk im Strauß. Eukalyptus ist für Katze und Hund giftig, Schleierkraut kann leichte Magen-Darm-Beschwerden machen.
Notfall: Ihr Tier hat eine Blume gefressen
- Tier und Pflanze trennen. Nehmen Sie Reste vorsichtig aus dem Maul, wenn das gefahrlos geht. Sichtbaren Blütenstaub im Fell wischen Sie mit einem feuchten Tuch ab, damit das Tier ihn nicht ableckt.
- Pflanze sichern. Heben Sie die Pflanze oder ein Stück davon samt Etikett auf, sonst machen Sie ein Foto. Notieren Sie die Uhrzeit und ungefähr, wie viel fehlt.
- Sofort anrufen, nicht abwarten. Rufen Sie Ihre Tierärztin oder Ihren Tierarzt an, außerhalb der Ordinationszeiten eine Tierklinik mit Notdienst. Im Raum Wien hat die Kleintierklinik der Veterinärmedizinischen Universität (Vetmeduni) eine Notaufnahme rund um die Uhr. Bei Katze und Lilie gilt: anrufen, auch wenn noch keinerlei Beschwerden zu sehen sind.
- Keine Hausmittel. Lösen Sie kein Erbrechen aus und geben Sie weder Salzwasser noch Milch. Was zu tun ist, sagt die Tierärztin oder der Tierarzt am Telefon.
- Gut beobachten. Speicheln, Erbrechen, Mattigkeit, Zittern, Krämpfe oder auffällig viel oder wenig Urin sind Gründe, sofort in die Praxis oder Klinik zu fahren. Nehmen Sie die Pflanze mit.
☎ Welche Nummer wofür?
Die Vergiftungsinformationszentrale (VIZ) in Wien, erreichbar rund um die Uhr unter 01 406 43 43, berät bei Vergiftungsverdacht beim Menschen, etwa wenn ein Kleinkind an der Amaryllis genascht hat. Für Hund und Katze ist die Tierärztin oder der Tierarzt die richtige Adresse. Speichern Sie die Nummer Ihrer Praxis und der nächsten Tierklinik mit Notdienst am besten jetzt im Handy.
Lilie und Katze: was in welchen Stunden passiert
Zeitangaben nach der US-Arzneimittelbehörde FDA. Andere Pflanzen wirken meist rascher und vor allem über Magen und Darm.
Fragen und Antworten
Welche Blumen sind für Katzen am gefährlichsten?
Echte Lilien (Gattung Lilium) und Taglilien (Hemerocallis). Für Katzen ist die ganze Pflanze giftig, also Blüte, Blätter, Stängel, Blütenstaub und sogar das Vasenwasser. Schon geringe Mengen können ein akutes Nierenversagen auslösen. Hunde reagieren auf Lilien laut der US-Arzneimittelbehörde FDA dagegen meist nur mit leichten Magenbeschwerden.
Reicht wirklich schon Blütenstaub?
Ja. Streift eine Katze an einer Lilie vorbei und leckt sich danach den Pollen aus dem Fell, kann das genügen. Wischen Sie sichtbaren Blütenstaub sofort mit einem feuchten Tuch ab und rufen Sie den Tierarzt an, auch wenn die Katze noch munter wirkt.
Wie schnell muss die Katze nach Kontakt mit einer Lilie behandelt werden?
So schnell wie möglich. Nach Angaben der FDA zeigen sich in den ersten 12 Stunden Erbrechen, Speicheln, Appetitlosigkeit und Teilnahmslosigkeit, nach 24 bis 72 Stunden droht Nierenversagen. Beginnt die Behandlung erst 18 Stunden oder später nach dem Kontakt, ist der Nierenschaden meist nicht mehr umkehrbar.
Sind Inkalilie, Calla und Friedenslilie auch so gefährlich?
Nein, sie sind keine echten Lilien. Die Inkalilie (Alstroemeria) wird von der ASPCA als ungiftig für Katze und Hund geführt. Calla und Friedenslilie enthalten Calciumoxalat-Kristalle, die Maul und Rachen reizen und zu Speicheln und Erbrechen führen können, schädigen aber nicht die Nieren wie echte Lilien.
Wen rufe ich in Österreich im Notfall an?
Zuerst Ihre Tierärztin oder Ihren Tierarzt, außerhalb der Ordinationszeiten eine Tierklinik mit Notdienst. Im Raum Wien hat die Kleintierklinik der Veterinärmedizinischen Universität eine Notaufnahme rund um die Uhr. Die Vergiftungsinformationszentrale (VIZ) unter 01 406 43 43 berät rund um die Uhr bei Vergiftungsverdacht beim Menschen, etwa wenn ein Kind an einer Pflanze genascht hat. Für Hund und Katze ist der Tierarzt zuständig.
Mein Hund hat an Tulpen geknabbert. Ist das schlimm?
Meist bleibt es bei Speicheln, Erbrechen oder Durchfall. Der Wirkstoff Tulipalin steckt vor allem in der Zwiebel, Blüten und Blätter sind schwächer. Rufen Sie den Tierarzt an, wenn der Hund eine Zwiebel gefressen hat, wenn er klein ist und viel erwischt hat oder wenn die Beschwerden nicht nach kurzer Zeit abklingen.
Wie gefährlich sind Christrose und Weihnachtsstern im Advent?
Die Christrose ist für Katze und Hund giftig. Sie enthält unter anderem herzwirksame Glykoside und Saponine und kann Speicheln, Bauchschmerzen, Durchfall und Mattigkeit auslösen. Stellen Sie sie außer Reichweite. Der Milchsaft des Weihnachtssterns reizt Maul und Magen, er ist aber weniger giftig als sein Ruf.
Was ist mit Chrysanthemen zu Allerheiligen?
Chrysanthemen enthalten unter anderem Pyrethrine und Sesquiterpenlactone. Gefressen können sie Erbrechen, Durchfall, Speicheln und Koordinationsstörungen verursachen, bei Hautkontakt auch Reizungen. Topf-Chrysanthemen am Fensterbrett oder auf dem Balkon sollten Katzen nicht erreichen.
Ist ein Rosenstrauß automatisch unbedenklich?
Die Rosen selbst gelten als ungiftig, entscheidend ist das Beiwerk. Eukalyptus ist für Katze und Hund giftig und kann Speicheln, Erbrechen, Durchfall und Schwäche auslösen. Schleierkraut verursacht höchstens leichte Magen-Darm-Beschwerden. Und Dornen können kleine Verletzungen an Pfote oder Maul verursachen.
Soll ich das Tier selbst zum Erbrechen bringen?
Nein. Hausmittel wie Salzwasser können selbst gefährlich werden, und bei manchen Giften schadet Erbrechen mehr als es nützt. Ob und wie das Tier erbrechen soll, entscheidet die Tierärztin oder der Tierarzt.
Was nehme ich zum Tierarzt mit?
Die Pflanze oder ein Stück davon samt Etikett, ein Foto, falls das nicht geht, und eine Notiz: wann es passiert ist, wie viel ungefähr fehlt und welche Beschwerden Sie bemerkt haben. Bei einem Strauß hilft die Produktbeschreibung der Bestellung, weil dort oft die enthaltenen Sorten aufgeführt sind.
Quellen
Auf diese Stellen stützen sich die Angaben auf dieser Seite:
- FDA: Lovely Lilies and Curious Cats - Lilien und Taglilien, Zeitverlauf und Behandlungsfenster (Englisch).
- ASPCA: Toxic and Non-Toxic Plants - Pflanzendatenbank mit Wirkstoffen und Beschwerden für Hund und Katze (Englisch).
- Gesundheitsportal Österreich: Vergiftungsinformationszentrale - Erreichbarkeit und Aufgaben der VIZ.
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Wichtiger Hinweis. Diese Seite bietet allgemeine Informationen und ersetzt keine tierärztliche Beratung. Bei Verdacht auf eine Vergiftung wenden Sie sich immer zuerst an eine Tierärztin, einen Tierarzt oder eine Tierklinik.