Blumensprache: was Blüten bedeuten und was davon heute noch gilt
Im Wien des Biedermeier konnte ein kleines Sträußchen eine ganze Nachricht transportieren. Vieles aus dieser Zeit ist vergessen, manches gilt bei uns bis heute als ungeschriebene Regel: Chrysanthemen etwa gehören in Österreich aufs Grab und nicht auf den Geburtstagstisch. Wir zeigen, woher die Blumensprache stammt, welche Bedeutungen sich gehalten haben und wo Sie besser nicht zu viel hineinlesen.
Vom osmanischen „Selam“ zum Biedermeiersträußchen
Die Idee, mit Pflanzen statt mit Worten zu sprechen, kam über einen Umweg nach Mitteleuropa. Die Engländerin Lady Mary Wortley Montagu reiste 1716 mit ihrem Mann, dem britischen Gesandten bei der Hohen Pforte, über Wien nach Konstantinopel. In ihren Briefen beschrieb sie, wie man dort mit Blumen, Früchten und kleinen Gegenständen verschlüsselte Botschaften zusammenstellte. Gedruckt wurden diese Briefe erst 1763, ein Jahr nach ihrem Tod, und sie machten das Motiv in ganz Europa bekannt.
Richtig in Mode kam die „Sprache der Blumen“ dann im frühen 19. Jahrhundert. 1819 erschien in Paris „Le Langage des Fleurs“ von Charlotte de Latour, kurz darauf folgten deutschsprachige Büchlein, viele davon mit dem Wort „Selam“ im Titel, nach dem osmanischen Begriff für Gruß. Im Biedermeier lagen solche Bändchen in bürgerlichen Wohnzimmern zwischen Stickzeug und Poesiealbum. Der kleine, runde, dicht gebundene Biedermeierstrauß, wie man ihn heute noch als Brautstrauß kennt, stammt aus genau dieser Zeit.
Wichtig zu wissen: Die Bücher widersprachen einander oft. Ein und dieselbe Blume konnte im einen Band Treue, im anderen Eifersucht bedeuten. Eine einheitliche, „richtige“ Blumensprache hat es nie gegeben, und das erklärt, warum Listen im Internet bis heute so unterschiedlich ausfallen.
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Blumen jetzt bestellenBlumenrätsel auf Wiener Porzellan
Eine besonders wienerische Spielart waren die sogenannten Blumenrätsel. Auf Tassen und Tellern aus der Biedermeierzeit sind Blüten in einer Reihe oder als Kranz gemalt, und die Anfangsbuchstaben ihrer Namen ergeben ein Wort oder einen Vornamen, etwa „Souvenir“ oder den Namen der Beschenkten. Die Kunsthistorikerin Waltraud Neuwirth hat diese Stücke 2016 in einem umfangreichen Bildband dokumentiert und daraus ein ganzes Blumenalphabet von Akelei bis Zuckerrose abgeleitet.
Überhaupt war Wien im 19. Jahrhundert eine Hauptstadt der Blumenmalerei. Das Belvedere widmete dem Thema 2018 die Ausstellung „Sag's durch die Blume! Wiener Blumenmalerei von Waldmüller bis Klimt“. Wer die Blumensprache einmal „im Original“ sehen will, findet in Wiener Museen und im Porzellanhandel bis heute zahlreiche Beispiele.
Österreichs eigene Symbolblumen
Neben der klassischen Blumensprache haben einige Blumen in Österreich eine Bedeutung, die in keinem Biedermeier-Büchlein steht, die aber jeder kennt:
- Edelweiß: das Abzeichen des Alpenvereins und der Gebirgstruppen, außerdem auf der österreichischen 2-Cent-Münze. Der Überlieferung nach kletterten junge Burschen in die Felsen, um es ihrer Liebsten zu bringen. Heute steht wild wachsendes Edelweiß unter Naturschutz: Bitte nicht pflücken, Gärtnereien haben es als Topfpflanze.
- Enzian und Alpenprimel: zieren die 1- und die 5-Cent-Münze. Gemeinsam mit dem Edelweiß stehen sie dort für die Alpenflora und den Naturschutz.
- Rote Nelke: seit dem späten 19. Jahrhundert das Zeichen der Sozialdemokratie, am 1. Mai im Knopfloch allgegenwärtig. Die weiße Nelke trägt dagegen traditionell die christlichsoziale Seite. Für einen Strauß unter Freunden spielt das keine Rolle, bei einer Ansteckblume zu einem offiziellen Anlass wählen viele die Farbe aber bewusst.
- Chrysantheme: in Österreich untrennbar mit Allerheiligen und dem Grabschmuck verbunden. Als Geschenk zum Geburtstag wirkt sie deshalb für viele ältere Menschen befremdlich. Mehr dazu in unserem Ratgeber zu Allerheiligen.
- Rosmarin und Myrte: früher die typischen Hochzeitspflanzen. Rosmarin galt als Zeichen der Treue, und die Hochzeitsgäste bekamen ein Anstecksträußchen davon.
Wie lebendig das Thema ist, zeigt auch die Münze Österreich: Sie gab von 2021 bis 2024 eine 10-Euro-Serie mit dem Titel „Mit der Sprache der Blumen“ heraus. Die sieben Motive sind Rose, Löwenzahn, Ringelblume, Vergissmeinnicht, Kamille, Pfingstrose und Veilchen.
Die Bedeutungen, die beim Schenken heute zählen
Von den hunderten Einträgen der alten Büchlein sind nur wenige im Alltag geblieben. Diese sollten Sie kennen, weil die Empfängerin oder der Empfänger sie mit hoher Wahrscheinlichkeit auch kennt:
- Rosen: Rot heißt Liebe, und zwar unmissverständlich. Ein Dutzend rote Rosen an die Kollegin ist deshalb keine gute Idee. Weiß steht für Respekt und passt zu Hochzeit wie zu Trauer, Rosa und Apricot sind die freundliche, unverfängliche Variante. Dass Gelb Eifersucht bedeute, stand in manchen alten Büchern; heute versteht man gelbe Rosen als Freundschaftsgruß.
- Vergissmeinnicht: eine der wenigen Blumen, deren Name die Botschaft gleich mitliefert. Passt zu Abschied, Erinnerung und Fernbeziehung.
- Veilchen: das klassische Zeichen für Bescheidenheit und stille Zuneigung. Als Topfveilchen ein liebes Mitbringsel im Frühjahr.
- Lilien und Calla: Reinheit und Würde. Sie stehen bei Hochzeiten und Begräbnissen gleichermaßen, der Zusammenhang entscheidet.
- Sonnenblume: gute Laune, Zuversicht, Sommer. Passt zu Geburtstag, Genesung und als Dankeschön.
- Tulpen: der Frühlingsgruß schlechthin. Rote Tulpen sind eine zurückhaltendere Liebeserklärung als rote Rosen.
- Pfingstrose: Fülle und Glück. Bei uns blüht sie im Garten um Pfingsten, daher der Name; im Bauerngarten heißt sie mancherorts auch Bauernrose.
- Orchidee: Bewunderung und Eleganz. Als Topfpflanze ein langlebiges Geschenk für Menschen, die keine Zeit für Vasenpflege haben.
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Sortiment ansehenFarben: eine grobe Orientierung
Wer sich bei der Blumenart unsicher ist, kommt mit der Farbe meist weiter. In Österreich liest man sie ungefähr so:
- Weiß und Creme: Respekt, Neubeginn, Trauer, Hochzeit. Die vielseitigste Farbe, aber für einen fröhlichen Anlass manchmal zu ernst.
- Rot: Liebe und Leidenschaft. Bei gemischten Sträußen mit viel Grün oder Orange tritt diese Bedeutung in den Hintergrund.
- Rosa und Pastell: Zuneigung, Dank, Zartheit. Beliebt zum Muttertag und zur Geburt.
- Gelb und Orange: Lebensfreude und Wärme. Ideal, um jemanden aufzumuntern, für ein Begräbnis dagegen meist zu bunt.
- Blau und Violett: Ruhe und Tiefe. Echtes Blau ist selten (Enzian, Vergissmeinnicht, Kornblume, Rittersporn); auffallend blaue Rosen oder Orchideen sind eingefärbt.
Wann Sie nicht zu viel hineinlesen sollten
Die Blumensprache ist ein schönes Spiel, aber kein Regelwerk. Die meisten Menschen freuen sich über einen Strauß, ohne jede Blüte zu deuten. Wir empfehlen drei einfache Grundsätze:
- Die Karte sagt mehr als die Symbolik. Ein, zwei persönliche Sätze verhindern jedes Missverständnis, gerade wenn Sie eine Blume mit doppeldeutigem Ruf wählen.
- Persönliches schlägt Tradition. Die Lieblingsblume der Empfängerin ist immer richtig, auch wenn sie in keinem Lexikon zum Anlass passt.
- Andere Länder, andere Zahlen. Bei uns bindet man Sträuße gern mit ungerader Stückzahl. In Russland, der Ukraine und anderen Ländern Osteuropas gehören gerade Zahlen dagegen zu Begräbnissen. Wenn Sie Blumen an Menschen aus diesen Ländern schenken, achten Sie daher auf eine ungerade Anzahl.
Wenn Sie wissen, was Sie sagen möchten, folgt der praktische Teil: Wie Bestellung und Zustellung funktionieren, erklären wir im Ratgeber zum Blumenversand. Romantische Anlässe behandeln wir ausführlich unter Blumen für die Liebe, Trauer und Anteilnahme unter Kondolenzblumen.