Hyazinthen von Advent bis April: Topf, Glas, Vase und danach

In Österreich beginnt die Hyazinthen-Zeit lange vor dem Frühling. Ab dem Advent stehen getriebene Zwiebeln in Töpfen und Gläsern in den Geschäften, im Jänner duften sie auf vielen Fensterbrettern, und im Garten blüht die Hyazinthe (Hyacinthus orientalis) dann im April. Wir zeigen, wie Sie jede dieser Formen richtig behandeln, was nach der Blüte mit der Zwiebel passiert und worauf Sie bei Kindern und Haustieren achten sollten.

Violette Hyazinthe mit dicht besetzter Blütentraube
Violett
Kräftig rosarote Hyazinthenblüten in Nahaufnahme
Kräftiges Rosarot
Weiße Hyazinthe im Topf als Tischdekoration
Weiß im Topf
Zartrosa Hyazinthe in natürlicher Umgebung
Zartrosa

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Über Wien nach Mitteleuropa

Die wilde Gartenhyazinthe stammt aus dem Raum zwischen der südlichen Türkei und dem nördlichen Israel. Im Orient wurde sie schon lange kultiviert, bevor sie in unsere Gärten kam. Seit etwa 1560 ist sie in Mitteleuropa bekannt, und Wien spielte dabei eine Rolle: Ogier Ghislain de Busbecq, kaiserlicher Gesandter am Hof des Sultans, berichtete aus Konstantinopel von Gärten voller Narzissen, Hyazinthen und Tulpen und brachte Zwiebeln und Samen mit. Der Botaniker Carolus Clusius, den Kaiser Maximilian II. 1573 nach Wien holte, pflanzte solche Zwiebelblumen in den kaiserlichen Gärten. Von dort und später von den Niederlanden aus verbreiteten sie sich über ganz Europa.

Aus der eher locker blühenden Wildform haben Züchter die heutige Hyazinthe mit ihrer dichten, schweren Blütentraube gemacht. Es sind weit über hundert Sorten bekannt, in Blau, Violett, Rosa, Rot, Gelb, Lachs und Weiß, manche auch gefüllt.

Die Topfhyazinthe: kühl hält länger

Die meisten Hyazinthen kommen im Topf ins Haus. Sie sind in der Gärtnerei vorgekühlt und angetrieben worden und blühen deshalb mitten im Winter. Wie lange die Freude dauert, hängt vor allem von der Temperatur ab:

  • Knospig kaufen: Wählen Sie Pflanzen, deren Blütentraube schon Farbe zeigt, deren Einzelblüten aber noch geschlossen sind.
  • Kühler Platz: Ein helles Fensterbrett in einem wenig geheizten Raum ist ideal. Über der Heizung öffnen sich alle Blüten in wenigen Tagen und welken ebenso schnell.
  • Sparsam gießen: Gießen Sie in den Untersetzer statt auf die Zwiebel und leeren Sie überschüssiges Wasser nach einer halben Stunde aus. Steht die Zwiebel nass, fault sie.
  • Gerade halten: Drehen Sie den Topf alle paar Tage, sonst neigt sich die Blüte zum Licht. Wird sie zu schwer, hilft ein dünner Stab neben der Zwiebel.

Wer Hyazinthen im Schlafzimmer oder in einem kleinen Büro aufstellt, merkt schnell, wie kräftig der Duft ist. Manche Menschen empfinden ihn in geschlossenen Räumen als zu intensiv. Im Vorzimmer oder im Stiegenhaus kommt er besser zur Geltung.

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Hyazinthen im Glas selbst antreiben

Das Hyazinthenglas mit seiner Taille, auf der die Zwiebel sitzt, ist ein Stück Winterkultur, das auch Kinder begeistert: Man sieht den Wurzeln Woche für Woche beim Wachsen zu. So gelingt es:

  1. Zwiebel wählen: Kaufen Sie im Herbst feste, große Zwiebeln ohne weiche Stellen. Manche Händler bieten eigens präparierte Zwiebeln zum Treiben an.
  2. Wasser einfüllen: Füllen Sie das Glas so weit, dass zwischen Wasser und Zwiebelboden ein kleiner Spalt von etwa einem halben Zentimeter bleibt. Die Zwiebel selbst darf nicht im Wasser stehen, sonst fault sie.
  3. Kalt und dunkel stellen: Das Glas kommt für etwa acht bis zehn Wochen an einen dunklen Ort mit Temperaturen unter etwa 9 °C, zum Beispiel in den Keller, in die Garage oder auf einen frostfreien, abgedunkelten Balkon. Eine übergestülpte Papiertüte hilft, wenn es nicht ganz dunkel ist.
  4. Wasserstand kontrollieren: Füllen Sie verdunstetes Wasser nach, sobald die Wurzeln es erreicht haben.
  5. Langsam ins Licht: Erst wenn das Glas dicht durchwurzelt ist und der Trieb einige Zentimeter misst, holen Sie die Hyazinthe zuerst an einen kühlen, hellen Platz und einige Tage später ins Wohnzimmer.

Wer im Oktober oder Anfang November beginnt, hat die Blüte oft im Jänner oder Februar. Stellt man die Gläser zu früh warm, bleibt die Blüte im Laub stecken oder öffnet sich nur kümmerlich.

Hyazinthen als Schnittblumen

Auch abgeschnitten machen Hyazinthen viel her, etwa in einem schlichten Frühlingsstrauß mit Tulpen. Schneiden Sie Gartenhyazinthen, wenn die unteren Blüten gerade aufgehen, und zwar direkt über der Zwiebel, damit Sie möglichst viel Stiel haben. Entfernen Sie Blätter, die im Wasser stehen würden.

Wie Narzissen geben Hyazinthen an der Schnittstelle Schleim ab, wenn auch weniger. Stellen Sie sie deshalb einige Zeit allein ins Wasser, bevor sie zu anderen Blumen kommen, und erneuern Sie das Wasser alle zwei bis drei Tage. Bei kühlem Stand halten Schnitthyazinthen meist rund eine Woche. Mehr zu den schleimenden Frühlingsblumen lesen Sie im Ratgeber zur Narzisse.

Nach der Blüte: wegwerfen oder auspflanzen?

Eine getriebene Hyazinthe blüht im Topf oder Glas kein zweites Mal so prächtig. Im Garten kann sie aber noch viele Jahre Freude machen:

  • Schneiden Sie nur den verblühten Blütenstand ab, das Laub bleibt dran.
  • Gießen Sie sparsam weiter, bis die Blätter gelb werden.
  • Setzen Sie die Zwiebel danach oder im Herbst etwa 15 cm tief in durchlässige, eher sandige Erde an einen sonnigen Platz.
  • Rechnen Sie damit, dass sie in den Folgejahren lockerere, kleinere Blütentrauben bildet. Viele finden diese natürlichere Form ohnehin hübscher.

Glas-Hyazinthen haben ihre Reserven im Wasser stark aufgebraucht. Auspflanzen kann man sie trotzdem, ob sie wieder blühen, ist aber ungewiss.

Bewährte Sorten

  • 'Delft Blue': Porzellanblau, einer der Klassiker im Topf und im Glas.
  • 'Blue Jacket': Tiefes Marineblau mit dunkler Mittellinie.
  • 'Pink Pearl': Kräftiges Rosa, gut kombinierbar mit weißen Tulpen.
  • 'Jan Bos': Leuchtendes Karminrot, ein warmer Farbtupfer im Winter.
  • 'Carnegie': Reinweiß, die elegante Wahl für schlichte Gestecke.
  • 'City of Haarlem': Hellgelb und etwas später blühend.
  • 'Woodstock': Ungewöhnliches Dunkelpurpur mit einem Hauch von Rotwein.

Nicht verwechseln: Die kleinen blauen Traubenhyazinthen (Muscari) gehören zu einer eigenen Gattung. Sie verwildern im Garten leicht und kommen in Teilen Ostösterreichs auch wild vor.

Hyazinthe auf einen Blick

MerkmalHyazinthe
Botanischer NameHyacinthus orientalis
Herkunft der WildformSüdliche Türkei bis nördliches Israel
Im Topf (getrieben)Etwa Dezember bis März
Blüte im GartenApril, manchmal bis Mai
Kältephase im GlasEtwa 8 bis 10 Wochen dunkel und kühl
Haltbarkeit als SchnittblumeMeist rund eine Woche

Was man der Hyazinthe nachsagt

Die griechische Sage lässt die Blume aus dem Blut des jungen Hyakinthos wachsen, den Apollon versehentlich mit einem Diskus tötete. Darum stand sie früher auch für Trauer. Heute verschenkt man sie vor allem als Gruß, der sagt: Der Winter ist bald vorbei. Eine blaue Hyazinthe gilt als Zeichen von Beständigkeit, eine weiße als zarte Aufmerksamkeit. Die Farbenlehre der Blumen erklären wir ausführlich im Ratgeber Blumensprache.

⚠️ Vorsicht mit Zwiebeln und Saft: Hyazinthen enthalten unter anderem Saponine und feine Kristalle aus Calciumoxalat, am meisten in der Zwiebel. Beim Putzen und Pflanzen kann das zu juckender, geröteter Haut führen. Handschuhe sind deshalb sinnvoll. Für Menschen gilt die Pflanze als schwach giftig. Hunde, die Zwiebeln ausgraben und anknabbern, und Katzen, die an Blättern kauen, können mit Erbrechen und Durchfall reagieren. Stellen Sie Hyazinthengläser außer Reichweite, auch wegen des Wassers. Bei Verdacht auf eine Vergiftung bei Kindern berät die Vergiftungsinformationszentrale rund um die Uhr unter 01 406 43 43, bei Tieren der Tierarzt. Mehr im Ratgeber Giftige Blumen für Haustiere.

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Allgemeine Tipps, wie Schnittblumen länger frisch bleiben, finden Sie in unseren Pflegetipps.

Häufige Fragen zu Hyazinthen

Warum fällt meine Topfhyazinthe um?
Meist steht sie zu warm. In geheizten Räumen schießt der Stiel schnell in die Höhe und kann die schwere Blütentraube nicht mehr tragen. Ein kühlerer, heller Platz hilft, ebenso ein dünner Stab, den Sie neben, aber nicht durch die Zwiebel stecken.
Was mache ich mit einer verblühten Topfhyazinthe?
Ja. Lassen Sie das Laub am Leben und setzen Sie die Zwiebel nach dem letzten Frost oder im Herbst etwa 15 cm tief in durchlässige Erde. In den Folgejahren blüht sie meist mit lockereren, kleineren Trauben als beim Kauf, dafür oft viele Jahre lang.
Wie lange muss eine Hyazinthe im Glas kühl stehen?
Rechnen Sie mit etwa acht bis zehn Wochen bei Temperaturen unter etwa 9 °C, dunkel, zum Beispiel im Keller. Erst wenn das Glas gut durchwurzelt ist und der Trieb einige Zentimeter lang ist, kommt die Hyazinthe nach und nach ins Helle und Warme.
Sind Hyazinthen giftig?
Ja, vor allem die Zwiebel. Für Menschen gilt die Hyazinthe als schwach giftig, Saft und Zwiebelschalen können aber Hautjucken auslösen. Hunde und Katzen reagieren auf angefressene Zwiebeln mit Erbrechen und Durchfall, deshalb gehören Zwiebeln und Gläser außer Reichweite.

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